Dr. Undine Stabrey

Assoziierte Forscherin

E-Mail
undine.stabrey@cgs.unibe.ch
Postadresse
Universität Bern
WBKolleg / CGS
Muesmattstrasse 45
3012 Bern

Undine Stabrey

Studium der Chemie/Mineralogie, Wechsel in die Altertumswissenschaften (Berlin FU/HU, Göttingen, Köln; Griechenland). In Basel 5 Jahre Wissenschaft als Beruf (Forschung, Lehre, Studiengangentwicklung etc.) Schwerpunkte: Theorie und Geschichte von Archäologien; Kulturwissenschaft der Antike; Ägyptologie; Alte Geschichte.

Dissertation über Temporalität und Dinge (Paris I Panthéon-Sorbonne, Bern) bei Alain Schnapp und Thomas Späth. Stipendien u.a. der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten und des Nationalfonds. Chercheuse invitée am Institut National d’Histoire de l’Art (Paris). U.a. Forschungsaufenthalte in Rom, am Istituto Svizzero di Roma, in Paris, am Deutschen Historischen Institut mit Gastvorlesungen an der Paris I.

Tätigkeit PH Nordwestschweiz (50%): Innovationsforschung zu Zeitlichkeit von Bildung. Zeitstrukturen von Bewegungen machen mittels Bildungsbedingungen den Auszug des  Ziehens aus dem Erziehen sichtbar und einen Wandel in der Form der Zeit vorsichtig antizipierbar. Smartbedingte Bewegungen weisen über jahr(tausend)elang petrifizierte Bildungsstrukturen auf Argumentationsangebote für Bildungen des Bald, indem Bildungswandel über seine Bedingtheit beschreibbar wird.

Forschungs- und Interessenschwerpunkte:

  • Philosophie/Theorie/Geschichte geisteswissenschaftlicher Forschung, Schwerpunkt Argumentationsstrukturen
  • Verschränkung von Mobilität und Erkenntnis
  • Zeit/Prognostik, Schwerpunkt Langzeithorizonte, temporale Dimensionierung von Erkenntnis
  • Tier/Mensch- und Wissenschaft/Kunst-Grenzziehungen
  • Wasser, Licht, Luft mit Schwerpunkt menschlicher Bedingtheit
  • Pflanzen Nichtverstehenkönnen

 

Aktuelle Forschungsprojekte

Paideias Box in der Infosphäre – Benutzeroberfläche des Seins und Form der Zeit

Homo digitalis’ Denkbewegungen in Bildungskonstellationen ergründet das Projekt zu Temporalität und Bildung über die Frage nach der digitalen Differenz zwischen körperlichen Bewegungen in smarten und nicht smarten Umgebungen. Und mit der Frage nach der digitalen Differenz zwischen Wissen und Information. Schon lange Begriffspaar, oft in ungeklärter Abhebung voneinander und anderes als noch vor kurzen, können gerade diese Denkformationen sich wechselwirkend beleuchten und relational in Beschreibung bringen, was digitalweltlich fundiert Wissen und Information als unsere Zeit ausmachen (D). Wissen und Information neuzeitlichen das Jetzt als Bewegungen von Mensch und Ding dergestalt bzw. derbewegt, dass Sitzen und Sein als Bildung in Frage ,steht’ bzw. mensch anders bewegt (S, Z). Rechteckigkeiten wie Schule, Buch, Tafel, Seminarraum etc. leg(t)en als Grundbedingung Bildungssituationen fest. Sie mach(t)en Bildung sesshaft. Rechteckigkeiten zeitlich(t)en den temporalen Horizont von Bildung auf Dauerhaftigkeit hin und als Ordnung kausal-logischer Folgen; eine maßgebliche Zeitstruktur bildenden Seins (R). Die bildende Situation war und ist noch Ort in ihrer geistiger Aktivität: Mensch ,ging zur Bildung’ und ,setzte sich zur ihr’. Tendenziell kehrt sich das bei weltweit zunehmender Mensch- und Dingbewegung um. Dieser Bewegungswandel ver-ortet Bildungsweisen neu, ent-ortet und bedingt damit Bildung völlig anders bzw. stellt sie grundsätzlich in Frage (Z). Bewegungsmodi des Onlife provozieren das Verhältnis von Statischem Sein und Mobilität. Der modus operandi  der Berufswelt verdeutlicht das mit der Auflösung der Gebundenheit an funktional bestimmte Orte. Schule, Uni etc. sind in ihrer Form als ,Erziehungsrechteckigkeiten‘ ebenfalls auf neue Weise bedingt und bewegt (Z, R, D). Auch für Bildungsbedingungen gilt, dass die Zeit gewissermaßen unbedingter wird – die Realität bevorzugt ihre Simulation im Gegenstand (P, D, R, Z). Das Projekt führt dies aus und zueinander. Digital fundierte Denkstrukturen und Temporalitäten von Bildungsbedingungen wie Uni, Smartheit, table/t etc. lotet dieses Projekt aus, das entsprechend des Gegenwärtigen im Nochnichtbegrifflichen schwebt. Zugleich sucht Paideias Box in alten Worten neue Ortswesen auszuloten, Atopien bildenden Seins in postwissenschaftlichen Konstellativen.

Projektdauer: 2014 – 2019

Format: Essays, Seminare

Neubewegung                               Ziehen zieht nicht mehr! (Z)
Benutzeroberfläche des Seins      Zum Verhältnis von Form und Information. (R)
Ozeanisierung                               Dinge. Denken. Digital. (D)

(Arbeitstitel, ca. 110 S., voraussichtlich Ende 2019)

  • Whiteheads Wirbel I  Der Rhythmus von Erziehung und Bildung ? (Seminar D, Z, P)
  • Whiteheads Wirbel II Über die Ziele von Bildung und Erziehung ? (Seminar D, S, R)

Vorstudie I: Prognostik über Generalismus: Dingdenken. Dynamik und Wortort in Flussers Jetzt(2010er Jahre)antizipation(1970er Jahre). (P)
http://www.flusserstudies.net/sites/www.flusserstudies.net/files/media/attachments/stabrey-prognostik.pdf
Vorstudie II: Transmaterial, in: R. J. Harkness ed., An Unfinished Compendium of Materials, KFI Book Series: University of Aberdeen (2017), S. 194 - 195.


Water unseen: à propos des hommes et des eaux – Eine d(r)ingliche Geschichte

Als Aquem oder Wasserepistem wird hier Wasser erkundet. Das ,Wasserbuch‘ folgt aus Überlegungen zum Boden als Erkennensvehikel und meiner Arbeit zum Verhältnis zwischen Dingen und Denken. Wie Zeit in den Boden kommt und wie Zeit in Dinge kommt, darauf aufbauend führt Wasser als liquider zugleich flüchtiger Wissensformer die Studien daran fort, was es eigentlich ist, das in Forschung und Denken menschenmögliche Sphären mittelt. Als Aquem, das Denken provoziert, hervorbringt, verhindert und Wahrnehmungen ebenso ermöglicht wie auch nicht (A), dimensioniert der Horizont des Sehens die epistemologische bzw. aquemologische Ausgangslage (WS) mit der oszillierende Grenze zwischen Sehraum und Seeraum. Sie macht unser Wasserwissen und -denken maßgeblich aus. Einzelstudien ergründen die bewegt fluide Beschaffenheit darüber, wie Wasser selbst als Immerbewegendes, Denken und Wissen bildet und bilden kann. Wasser und Wissen stehen gewissermaßen konträr zu einander: Wissen ist konzeptionell immer auch statisch; Wasser im Wissen auch. Während wir im Begriff sind, Linearität und entsprechende Zeitlichkeiten zu verlassen, ist zu fragen wie Wasser im Jetzt wissensbildnerisch sein kann. Lässt sich qua Aqua, mit der eigenen fluiden Beweglichkeit, das ,Netzsein‘ besser fassen? Ist qua Aqua wissenschaftliches Forschen in seiner neuen Zeitstruktur der Echtzeit gut ergründbar, beispielsweise weil das Erkennensvehikel selbst bewegt ist? Es ist die oszillierende Grenze des Sehraums im Seeraum, auch als ein leitender postmethodologischer Ansatz des Ganzen, an der Nichtwissen und Wissen interferieren; sie macht Wasser zum Aquem (B): Beispielsweise die „Tiefsee“, deren Sichtbarmachung ihre Erforschung ebenso dokumentiert wie epistemisch grundiert, zeigt quasi in allen Bereichen wie Wasser als Sehräuber Vorstellungen von Dasein allgemein und Wissenschaft im Speziellen formt. Etwa die Grenzziehung zwischen Mensch und Tier (P, A, WS, I) oder aktuelle sapientische Dimensionierungen planetarischer Veränderungen als Anthropozänisierung qua Aqua.

Projektentwurf 2011/12, Konkretion ab 2019/20

Format: postwissenschaftliche Monographie und Bildband als Kinderbuch in einem:

  • Wasser Wissen. Aqueme als ‚Denkquelle’ (A)
  • Tiermenschtrennungsfrage. Industrialisierung und Vergegenständlichung von Leben. (I)
  • Les sciences et les eaux: à la recherche des structures poétiques comme catégorème historique  (P)
  • ‘This is water’ – Plastic Age and the Visibility of Responsibility [E]  (WS)
    Wasser als Sehräuber und die Entstehung von Wissen als Moralität [D] (WS)

Vorstudie I: Aqua alia, in: Weltfragment. Von den Dingen in den Archiven zu den Archiven in den Dingen. In: E. Knopf, S. Lembcke, M. Recklies (Hg.), Archive dekolonialisieren. Praktiken medialer und epistemischer Transformationen in Kunst, Design, Film. Transcript 2018, 177-191. (A,I)
Vorstudie II:  Transmaterial, in: R. J. Harkness ed., An Unfinished Compendium of Materials, KFI Book Series: University of Aberdeen (2017), S. 194 - 195.


Eine Quelle ist eine Quelle ... ist ein Tatort der Forschung. Selbst/historisierung und Altertumswissenschaften im Wandel

Eine Tendenz der Wissenschaften ist: sie werden historisiert und/oder historisieren sich. Beispielsweise indem sie Strukturen petrifizieren, die das Jetzt nicht so recht fundieren. In ihrer Erkenntnisgenese verbinden Altertumswissenschaften die Zeiten ihres Forschungsgegenstandes (Antike, Altertum, Alte Welt etc.) mit ,Quellen’, noch Vorhandenem dieser Zeiten – ihre Epistemologie basiert auf Anachronie: verschiedene Zeitlichkeiten unterschiedlicher Zeiten treffen aufeinander und ,Quellen’ fungieren oft als ,Zeugnisse’ der vergangenen Welten. Zeugenschaft, für welche Zeiten und für wen, das steht in Frage im Vernetzungsdenken, das Geschichte in Einheiten wie Epochen ablöst.

Aus oft selben Zeichen- und Dingfakten entstanden Antiken in jeweiligen Gegenwarten, die selbst Gegenstand von Wissensgeschichten sind. Digitalnetzliche Vergleichzeitigungen weltweiten Wissens in Echtzeit lassen unterschiedlichstes Antikewissen parallel stattfinden: Elastische Wissensstrukturen entstehen, weil die Echtzeitstruktur in sich dynamisch ist; andere Wissensformen historisieren. Mit diesem Ansatz erforschen vier Teilprojekte altertumswissenschaftliches Wissen im Wandel. Teil I bedenkt die Kategorie Rekonstruktion. Rekonstruktion, ob Textrekonstruktion, Stadtmodell oder Tasse, ist in Wissenschaften mit fragmenthaften Gegenständen wesentlich. Über die Archäosphäre ins Altertum zeigt, wie die Idee der Quelle aufrechterhalten wird, indem Rekonstruktion als Figur des Widerstandes Selbsthistorisierung (im Sinn von Entaktualisierung) ausbremst (R). Indem ,die Quelle‘ als Zeitkapsel dient und gewissermaßen Deutungsgegenwarten als Einheiten behandelt, wird die Verbindung derjenigen Zeit des wissenschaftlichen Interesses mittels einer aktuellen Deutungszeit gebildet und dies als Geschichte aufgefasst. Wesentlich dabei war/ist das Konzept Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft (nicht zu gefährden); ein Konzept, das nun ,in Echtzeit‘ steht beziehungsweise wie ,Quellen‘ in Frage.

Derzeitige Denkweisenwandel interferieren mit ehemals dauerhaften Gültigkeiten in Historisierungsprozessen. Ehemalige Erkenntnisse transformieren in schnell wandelbare Erkennensformationen. Das erforscht Teil II über das Verhältnis von Begriff und Bedeutung(swandel) und analysiert Strukturen von ,Disziplinensinn’ sedimentiert in Begriffen wie Prähistorische Archäologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Antike Kulturen, Antikekonstruktion (AW). Zentral zur Erkundung des altertumswissenschaftlichen Wandels sind in Wortwelt Alte Welt die binomischen Strukturen dieser Verzeitlichungen, da sie Logiken altertumswissenschaftlichen Wissens freilegen. Denen widmet sich Teil III. Discussing Petrification beforscht Verschränkungen von Prozessen, dualistische Denkmuster und die spezielle Parallelverschiebung von Sachgegenstand auf Disziplinstruktur. Das Projekt bedenkt mittels der Erkenntnisstruktur ,Parallelverschiebung‘ die aktive Teilhabe von Materialem an Deutungsprozessen: Wie formen Dinge wie Texte, Bilder und nicht flache Speicher (wie Rollschuhe ­– die Wertigkeiten einmal irritiert) ihrerseits unser Denken? Discussing Petrification eröffnet postepistemologische Ontologien für Studies of Very Past Cultures (P). Und schließlich, wie ,Quellen‘ dadurch entstehen, dass sie Bildfakte ihrer selbst werden, rundet Teil IV zu Altertumswissenschaften im Wandel ab. Im Wissen vom Gestern das Morgen von Heute zeichnet die Archäologie als Sehräuberin nach sowie Wege ins Nicht/wissen, die komplementär zu Wissen sichtbar werden (S). Den Großteil altertumswissenschaftlichen Interesses kennzeichnet kontingente und konstruierte Abwesenheit – doch auch das Verhältnis von Anwesenden und Abwesenden ist durch smarte Bedingungen im radikalen Wandel.

Projektdauer: 2014 – 2019

Format: Essays, Seminar

  • Über die Archäosphäre ins Altertum: Artefakt. Bildfakt. Kontext. Konstrukt. (R)Wortwelt Alte Welt. Und was, wenn anders? (AW)
  • Petrification and Very Past Cultures. (P) Discussing Petrification: Egypt/ology. Parallelisation. Binary thought patterns. Temporalities. 
  • Archäologie als Sehräuberin und Entstehung von Nichtwissen (S) Im Wissen vom Gestern das Morgen von Heute. Über Sehräuberei im Main-tenant before robofacts
  • Tatort Wort-& Bildwelt Alte Welt: Eine Quelle ist eine Quelle ist eine ... Über altertumswissenschaftliches Wissen / On Knowledge: Formation and History of „Sources“ in Ancient World Studies (Seminar)

Vorstudie: Archäologische Untersuchungen. Über Temporalität und Dinge (transcript 2017, 246 S.)